Die Bahnhofstangente – Renaissance der oberirdischen Straßenbahnführung in der Essener City

Bau der Citybahn / Bahnhofstangente am Essener Hbf ( Foto: Wilfried Sauter, Okt. 2024)
Titelseite des BUND-Konzepts zur Bahnhofstangente

Titelseite des BUND-Konzepts zur Bahnhofstangente

„Leben in die City bringen“ – so überschrieb die Kreisgruppe Essen des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V.) 1992 ihr Entwicklungskonzept für den öffentlichen Nahverkehr in Essens Mitte. Ein Diskussionsbeitrag nicht nur zum Erhalt, sondern zum Ausbau der Straßenbahn.

Der Hintergrund waren die hochfliegenden Pläne starker Kräfte für immer weitere U-Bahn-Tunnel. Der Tunnelbau brachte nach der Überzeugung vieler engagierter Menschen jedoch eine Reihe von Problemen mit sich:

  • Ein Teil der Straßenbahn-Strecken sollte abgehängt und auf Busverkehr umgestellt werden.
  • Auf den Tunnelstrecken verringerte sich die Zahl der Haltestellen, außerdem waren die Wege in den Untergrund oft lang und unangenehm.
  • Die Tunnelanlagen wurden zwar überwiegend mit Geldern aus Bund und Land gebaut, die absehbaren Sanierungskosten nach einigen Jahrzehnten aber drohten Stadt und Verkehrsbetrieb zu überfordern.
Die Grafik zeigt die vom BUND vorgeschlagene Streckenführung der Straßenbahn durch die City.

aus dem Konzept des BUND zur oberiridischen Straßenbahnführung in Essen

Die größte Resonanz aus dem Konzept fand sofort die „Bahnhofstangente“, eine oberirdische Führung der Linie 109 unmittelbar am Essener Hauptbahnhof vorbei.

Die EVAG (Essener Verkehrs-AG, heute „Ruhrbahn“) nahm diesen Impuls auf, plante und zeigte das Ergebnis im Jahr 2000 in einem Werbefilm: Im ersten Teil stellte sie die Renaissance der City-Straßenbahn in München, Frankfurt, Heilbronn und Erfurt dar, im zweiten Teil ihr eigenes Konzept für eine City-Straßenbahn in Essen. Leider versandete dieses Projekt wegen unzureichender politischer Unterstützung.

Aber – oh Wunder – noch einmal 20 Jahre später entschied der Rat der Stadt dann doch, dass die Straßenbahn wieder sichtbar und mit kurzen Wegen am Hauptbahnhof vorbei die City queren soll. Und tatsächlich: Im Jahr 2024 begannen die Bauarbeiten.

Auch der Name „Bahnhofstangente“ wird nun mit großer Selbstverständlichkeit genutzt, wie das Foto oben zeigt.

Die BUND-Verkehrsgruppe freut sich im Stillen über das, was lange währt und dann doch endlich gut wird, und blättert manchmal durch das leicht vergilbte 8-Seiten-Konzeptpapier von damals …

Sie können jetzt auch blättern und nachlesen (Leben-in-die-City-bringen_Download)

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