Straßenbäume in Essen: wunderbare Theorie – ernüchternde Praxis

Das Foto zeigt den unteren Teil der Schornstraße im Essener Südviertel mit den großen Bäumen entlang der linken Seite

Seit Juli 2026 gibt es eine Broschüre der Stadt Essen zu Straßenbäumen:
Strassenbaumkonzept Essen. Zur Stärkung des Straßenbaumbestandes in Essen.“

Titelblatt der Broschüre der Stadt Essen zum Straßenbaumkonzept 2026

Straßenbaumkonzept der Stadt Essen – Titelblatt

 

In dieser Broschüre heißt es auf Seite 8:

2 Grundsätze des Straßenbaumkonzeptes

2.1 Altbaumbestand ist zu erhalten!

„Gesunde Straßenbäume können das Mikroklima in den Städten deutlich beeinflussen und die Wirkung von gesunden Altbäumen ist hier besonders groß.“ (Heidger, 2019)

Vitale Altbäume bieten Ausgleichsfunktionen, sogenannte Ökosystemleistungen, die junge Bäume erst in vielen Jahren erreichen. Ein vitaler Altbaum beschattet größere Flächen, filtert mehr Luftschadstoffe und erreicht höhere Kühlungseffekte durch mehr Verdunstung als jüngere Bäume. […]

Insofern liegt ein starker Fokus auch im Erhalt des vitalen Altbaumbestandes einer Stadt. Das gilt auch für Straßenbäume, die tagtäglich vor besonderen Herausforderungen stehen. […]

Für die Straßen des Straßenbaumkonzeptes gilt dementsprechend: Wenn bestehende Straßenbäume ohne sichtbare Vitalitätseinbußen gut gedeihen, so sind sie prioritär zu schützen und zu pflegen. […]

Baumerhalt ist ein wichtiges Anliegen der Stadt Essen […].                           (Hervorhebungen: W.S.)

Soweit die Theorie und die guten Absichten der Stadt Essen.

 

Wie geht die Stadt Essen tatsächlich mit alten, wertvollen Straßenbäumen um?

Das Beispiel Schornstraße am Isenbergplatz in Essen-Süd

 

Es geht um die Bäume im hier markierten Bereich am Beginn der Schornstraße in 45128 Essen-Süd (https://www.tim-online.nrw.de/tim-online2/):

Luftbild der Schornstrasse und Umgebung - die Baumreihe, um die es geht, ist rot markiert.

Luftbild Schornstrasse 2024 – tim-online NRW

Rechts oberhalb der Markierung sind auf diesem Luftbild von 2024 die Baumkronen des Isenbergplatzes zu sehen, der in den 1970er Jahren begrünt und umgestaltet wurde. Durch diese Maßnahmen wurde er zu einem beliebten Stadt- und Spielplatz, und die Eltern (und viele andere Gäste) sitzen gern in den Cafés, die am Platz entstanden sind.

Die Bäume in der Schornstraße und anderen Straßen wurden bereits in den 1960er Jahren gepflanzt, sie sind nun großenteils über 60 Jahre alt. Das folgende Luftbild aus dem Jahr 1969 zeigt die kleinen Bäumchen, die heute den Stadtraum erheblich aufwerten (https://luftbilder.geoportal.ruhr/?#655@7.01624/51.44304r0@EPSG:25832):

Luftbild der Schornstrasse und Umgebung von 1969 - die Baumreihe, um die es geht, ist rot markiert.

Luftbild der Schornstrasse 1969 – geoportal.ruhr

 

Die Bäume in der Schornstraße haben die extreme Trockenheit im Sommer 2026 halbwegs überstanden, obwohl sie nur Baumbeete von 12 Quadratmetern Größe haben. Die Asphaltflächen der Parkbuchten daneben sind aber derart marode, dass auf ihnen bisher auch Regenwasser versickern konnte  – eine nicht geplante, für die Bäume aber erfreuliche Chance für mehr Wasser an den Wurzeln:

Das Foto zeigt ein enges Baumbeet auf der Schornstr., daneben eine Parkbucht mit zerbröseltem Asphalt

Baumbeet mit Parkbucht, deren Asphalt zerbröselt und somit wasserdurchlässig ist

 

Allerdings sind die Bäume durchaus „angeschlagen“, also nicht vollkommen vital. Man kann zu stark durch die Baumkronen hindurchsehen:

Das Foto zeigt die nicht mehr geschlossene Krone eines Baums in der Schornstrasse

Krone eines Baumes in der Schornstrasse

 

Sehr richtig schreibt die Stadt Essen in ihrer eingangs gezeigten Broschüre zum Straßenbaumkonzept auf S. 8:

Um den Altbaumbestand zu erhalten, ist es erforderlich, die Standortbedingungen für den Altbaum bestmöglich mit entsprechenden Sanierungsmaßnahmen zu verbessern.

Tatsächlich werden im Spätsommer 2026 jedoch in der Schornstraße die bisher wasserdurchlässigen Parkbuchten „sauber“ mit glattem Asphalt versiegelt:

Das Foto zeigt die neu asphaltierten Parkbuchten in der Schornstrasse - der Asphalt geht bis an den Rand der alten, viel zu kleinen Baumscheiben.

Asphalt-Versiegelung – bis an den Rand der alten, viel zu kleinen Baumbeete

 

Dabei war die für die Straßenbäume in Essen zuständige Dezernentin, Frau Raskob, bereits im Jahr 2020 von mir darauf hingewiesen worden: Bei einer Sanierung der Parkbuchten in der Schornstraße muss die Situation für die wertvollen Bäume verbessert werden.

Schriftlich erklärte Frau Raskob daraufhin mir gegenüber am 30.10.2020:

„Erneuerungsbedürftige Asphaltflächen werden […] im Parkstreifenbereich durch eine Pflasterung ersetzt. Hierbei werden die Baumbeete entsprechend der Baumdimension, gerade unter dem Gesichtspunkt einer ausreichenden Wasserversorgung des Baumes, angepasst.“

Nichts, gar nichts davon ist geschehen.

So fallen in Essen Wort und Tat auseinander. Oberbürgermeister und Dezernentin reden öffentlich gern von der Bedeutung der Stadt-Bäume, und angeblich sind wir auf dem Weg zur „Schwammstadt“, in der Regenwasser gut versickern kann. Tatsächlich werden auch 2026 noch sensible Bereiche ganz schlicht neu versiegelt – und Gelegenheiten zu sinnvollem Tun verpasst.

So geht den Stadtbäumen das Wasser und uns Bürger:innen allmählich die gute Luft aus.

Autor: Wilfried Sauter 

 

 

 

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