Von Nordwesten her fegte am 18. Januar 2007 der Wintersturm Kyrill über das Land – mit heftigen Folgen.
Ich will zwei betroffene Punkte genauer betrachten, nämlich eine Scheune beim Niederbergischen Metzkausen und die Sauerländischen Höhen nahe der Hönne-Quelle am Großen Attig. Damit geht der Blick einmal in eine wellige, offene Ackerbau-Landschaft und dann in das von Wirtschaftswald geprägte sauerländische Mittelgebirge.
Stürme sind ein natürliches Ereignis. Die Aufheizung der Meere und der Atmosphäre entfesselt jedoch Energien und Prozesse, die jede Art von Extremwetter häufiger auftreten lassen.
Scheune des früheren Hofs Obenmetzkes bei Mettmann-Metzkausen
Nur die große Backstein-Scheune und einige Obstwiesen waren vom Hof Obenmetzges geblieben. Das Startbild folgt der Richtung des Sturms. Beinahe senkrecht auf die Giebelfront der Scheune wirkte der Druck (mit leichter Abweichung nach links, siehe die stärkere Dachziegel-Abdeckung dort), der Giebel brach nach innen.
Sofort entstand durch den eindringenden Sturm ein Überdruck im Gebäude, der die untere Giebelwand – gegen den Sturm – nach außen warf, die Dachziegel von den Latten katapultierte und die Schiebetore der Längsseiten nach außen blies.

Sturmgeschädigte Scheune Hof Obenmetzkes – Luftbild Sommer 2007 (aus https://www.bezreg-koeln.nrw.de/geobasis-nrw/tim-online )
Der Nutzbau wurde wieder aufgebaut, modernisiert, mit flacherem Dach. Das verbliebene Mauerwerk behielt auf diese Weise seinen Wert, und die Reparatur der zerstörten Wand erfolgte nicht auf billigste Weise, sondern mit Respekt vor dem alten Scheunenbau des verschwundenen Hofs.
Kyrill und die Folgen im Sauerland bei Neuenrade
Nordwestlich des Orts Neuenrade im Sauerland liegt der Rücken des Großen Attig (im Nordosten der folgenden Luftbilder). Etwa mittig im Süden der Ausschnitte zeichnet sich die Quellmulde der Hönne ab.
[alle Luftbilder aus https://www.bezreg-koeln.nrw.de/geobasis-nrw/tim-online ]
Im Luftbild von 2006 dominiert der Fichtenwald, aber auch Laubwaldgebiete (graueres Grün, zusammengewachsene kuppige Struktur) sind erkennbar. Stellenweise zeichnen sich sehr kleine Waldparzellen ab, die die Vielzahl kleiner Waldbesitze in diesem Raum andeuten.
Luftbild vom 2009: Die flächenhaften Baumwürfe durch Kyrill sind bereits abgeräumt. Vor allem die Fichten wurden im Januar 2007 zerbrochen oder umgeworfen. Auf diesem Frühjahrsbild treten die gerade erst leicht ergrünenden Laubbäume stark zurück.
Luftbild vom Frühjahr 2015: Einige isolierte „überlebende“ Fichtenbestände wurden zwischenzeitlich noch geschlagen. Neuanpflanzungen sind vorrangig im Nordosten des Ausschnitts erfolgt, dafür wurden neue Bewirtschaftungs-Schneisen angelegt – denn es handelt sich um – eigentlich illegale – Weihnachtsbaum-Monokulturen mit Blaufichten. Parzellen, die durch ihre Besitzer der spontanen Begrünung – meist durch Birken – überlassen wurden, zeichnen sich durch gelbe Blüten in der Krautschicht aus.
Im Jahr 2021 sind die Fichtenbestände weitgehend der Trockenheit seit 2018 zum Opfer gefallen, die durch günstige Strömungsverhältnise der Vernichtung durch den Orkan Kyrill entgangen waren. Dazu gehört auch ein Bestand im Südwesten des Ausschnitts, der 2007 noch sehr jung und niedrig war.
Im Oktober 2025 schauen wir hier in die – bereits etwas durchgewachsene – Blaufichten-Plantage (die Blickrichtung ist auf dem Luftbild von 2021 mit einem kleinen weißen Pfeil markiert). Im Hintergrund sehen wir einen herbstlichen Laubwald, der bisher allem Sturm- und Trockenstress standgehalten hat.
Ausblick
Trotz aller Warnungen von Fachleuten vor ihrer Sturm- und Trockenheitsempfindlichkeit: Immer wieder versuchen Forstwirte es mit der schnell wachsenden Fichte.
Und Weihnachtsbaum-Kulturen mögen Ertrag versprechen, aber sie bilden keinen eigentlichen Wald aus, da Unterwuchs beseitigt und oft sogar Insektengifte für den „schönsten Baum des Jahres“ eingesetzt werden. Rechtlich gelten Christbaumplantagen daher als Gartenbau, nicht als Wald.
Die Zukunft des Waldes ist unsicher. Laub- und Mischwälder kommen mit den Herausforderungen des sich ändernden Klimas besser zurecht als die Fichte, der „Brotbaum“ der letzten beiden Jahrhunderte. Wer die unnachgiebigen Zeichen der Natur ignoriert, wird keinen nachhaltigen Wald entwickeln können.













0 Kommentare