Ein römisches Zwei-Legionen-Lager auf den Dingdener Höhen?

Dingdenener Höhen, Rücken nördlich des Stapelbachs: Wall um Kleine Bölting (Foto: Wilfried Sauter (Aug. 2019)

Etwa im Jahr 1 n. Chr. legte das römische Militär eine Marschtrasse vom linksrheinischen Standlager Vetera Castra (Xanten) zur Ems an: „Dies war ein mäßig breiter Weg zwischen ungeheueren Sümpfen hindurch, einst von Lucius Domitius angelegt, sonst alles Morast […] oder unsicher für den Fuß durch überrieselnde Bäche; rings umher mäßig ansteigende Waldungen“ (Tacitus Annalen 1/63). Der Weg erhielt den Namen „Pontes Longi“ (Lange Brücken), wohl wegen der in schwierigem Gelände notwendigen hölzernen Stege. Von Vetera Castra ausgehend wurde jenseits des Rheins die erste kilometerlange Überbrückung für die Querung der Issel-Niederung benötigt. Auf dem Weg zur Ems waren zahlreiche weitere – damals morastige – Bachtäler zu überqueren.

Ich suchte mithilfe geologischer und alter topografischer Karten nach einer Trasse, die folgende Kriterien möglichst gut erfüllte: kurze Strecke, festes, ebenes Gelände, Meidung von Waldgebirgen, Reduzierung des Wegs über feuchte Niederungen auf das unumgängliche Mindestmaß.

An der von mir vermuteten Trasse fand ich auf den Höhen östlich der Issel eine auffällige Wallstruktur. Deren Ostfront hat eine polygonale Form aus etwa 200 Meter langen geraden Abschnitten, die gegeneinander verschwenkt sind. Diese Form ist typisch bei frühkaiserzeitlichen Militärlagern. Das Bild oben zeigt einen Blick entlang dem Wall, vorn rechts liegt eine polygonale Verschwenkung. Der Innenraum rechts ist hier durch einen mächtigen mittelalterlichen Plaggenesch erhöht. (Foto: W. Sauter)

Das Foto zeigt Stücke römischer Dachziegel

Aufgefundene römische Dachziegel-Bruchstücke, nur die beiden Brocken rechts sind modern. (Foto: W. Sauter)

Insgesamt zeigt die Innenfläche der umwallten Anlage eine Größe von etwa 30 ha. Im Zentrum der Wallstruktur, welche nicht durch einen seit dem Mittelalter angelegten Esch überdeckt ist, fand ich Bruchstücke eindeutig römischer Dachziegel. In diesem Bereich ist in einem römischen Militärlager die Kommandantur zu erwarten.

Wie diese Funde möglicherweise zu interpretieren sind, zeigt ein Beitrag von mir (mit entsprechenden Plänen): Jahrbuch des Kreises Wesel 2026.

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